Michael Saxer - Biostasis und Kryonik in Europa

 

Sehr geehrter Herr Saxer,

ich habe mit Interesse auf ihrer Homepage herumgestöbert. Alles was wir als individueller Mensch sind, beruht auf naturwissentschaftlichen Grundlagen und Erkenntnisse. Mich interessiert der Zeitpunkt des Gehirntodes. Was passiert da genau? Verliert der Mensch sein "Ich"? Seine Erinnerungen alles was Ihn im Leben ausmachte? Wird sein Archiv gelöscht? Das Er z.B. Vater von 4 Kindern war? Das Er mit Hella Schmitz 45 Jahre verheiratet war? Ist das so? Hat der Mensch dann überhaupt eine unsterbliche Seele?

Ich glaube es nicht...

Freundliche Grüße

Dr. S. P.

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. P.,

vielen Dank für Ihre Email.

Ich glaube ebenfalls nicht, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat. Wenn die Gehirnzellen verwesen, dann zerfällt auch alles, was das "Ich" ausmacht. Die Erinnerungen sind nach meinem Wissensstand in den Nervenzellen, insbesondere in den Synapsen gespeichert. Die Art und Weise, wie die Transmittersubstanz-Durchlässigkeit in den Synapsen gesteuert wird, macht wohl unsere Erinnerungen aus. Beim Hirntod hört die elektrische Übertragung in den Nervenzellen auf (etwa 4 Minuten nachdem das Gehirn keinen Sauerstoff mehr erhält), das "Ich", also die Synapsendurchlässigkeiten, sind dann aber noch vorhanden, weil die Zellen ja noch nicht verwest sind. Deshalb kann man das Gehirn jetzt kältetechnisch vitrifizieren und darauf hoffen, dass es künftige Mediziner-Generationen wiederbeleben können. Erst wenn die Gehirnzellen verwesen, wird das "Ich" für immer ausgelöscht.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Saxer